ZUR PERSON

Name:

Dennis Freymann

Geburtsdatum:

25.11.1979

Aufgabenfeld bei qbe:

Art Design / Print

Ausbildungsweg und berufliche Stationen:

Mittlere Reife

Ausbildung als Druckvorlagenhersteller / Offsetdrucker mit Gesellenbrief

Studium Gebrauchsgrafik an der Kunstschule Hamburg-Wandsbek

Gestaltung von Tapeten, Schriften für Tattoos, Logos, Schilder, Folien, Beschriften von Autos und Wänden

Schwerpunkt Typografie, Kalligraphie, Kalligraffiti

Auszeichnungen:

Ein kleiner Park im Stadtteil Barmbek-Süd wurde (zumindest inoffiziell) schon bereits vor mehr als 20 Jahren nach mir bzw meinem Künstlernamen benannt. Der sogenannte „Gecu Park“.

Welche Ziele, Erwartungen und Ambitionen hattest du zu Beginn deiner beruflichen Laufbahn?

Ich war schon von klein auf begeistert von Graffitis und von Kalligraphie. Schriften, insbesondere Schönschrift, hat mich wahnsinnig fasziniert. Für mich war klar, dass ich diese Faszination und Leidenschaft später unbedingt zu meinem Beruf machen will. Später, während der Druckerausbildung habe ich dann gemerkt, dass ich damit auf Dauer nicht glücklich bin. Als Druckvorlagenhersteller ist man leider nicht so kreativ, wie ich es mir vor Beginn meiner Ausbildung vorgestellt habe.

 

Und da habe ich beschlossen, nach der Ausbildung noch Kunst in Richtung Grafikdesign mit Schwerpunkt Typographie zu studieren. Ich wollte nie etwas anderes machen als Typographie.

Gibt es ein berufliches Erlebnis, das dir heute noch peinlich ist?

Gute Frage. Nö, eigentlich nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich zum Beispiel an irgendwelchen Firmen vorbei fahre, für die ich vor 10 Jahren mal ein Logo gemacht habe, dann freue ich mich. Und zwar, weil sich sehe, dass sie immer noch das von mir gestaltete Logo nutzen. Ich kann dann meistens nach den Projekten mit stolzgeschwellter Brust sagen: „Mensch cool, das habe ich gemacht. Die Leute feiern das und finden das auch gut.“

Hast du berufliche Träume?

Wenn man mich fragt, wo ich mich in 10 Jahren sehen würde, dann wäre mein Traum, in

einer großen Agentur zu arbeiten, die ausschließlich Schriften entwickelt. Ich hätte nicht so wirklich Lust, als Typografie-Dozent irgendwo zu arbeiten, sondern als jemand, der wirklich macht. Mein Traum ist es, am Zeichenbrett zu arbeiten und mit einem Team zusammen ganze Schriften zu entwickeln. Also solche Schriften, an denen man teilweise sogar ein Jahr lang sitzt, bis so eine komplette Schriftfamilie mit allen Sonderzeichen und Glyphen schick aussieht und auch an große Firmen für gutes Geld verkauft wird.

 

Ich kann mich stundenlag mit einem Buchstaben beschäftigen, um ihn noch schöner zu machen. Dann daran rum zu feilen und ihn noch mehr zu verbessern ist einfach eine Leidenschaft von mir. Ich verliere mich regelrecht darin.

Arbeitsproben: Logo-Entwicklungen von Dennis Freymann

Was bewegt und motiviert dich in deinem Beruf?

Mich bewegt, dass viele Menschen einfach kein Auge dafür haben, wie man Schriften auch irgendwie schön machen kann. Dass viele einfach nur irgendwas machen, sich damit zufrieden geben und mir persönlich dann einfach immer die Ästhetik irgendwie fehlt.

 

Oftmals fahre ich einfach nur durch die Gegend und sehe ein Werbeschild oder Firmenlogos auf Schildern und dann frage ich mich, wie kann man so etwas Furchtbares nur machen? Das funktioniert einfach nicht. Da hat sich keiner hingesetzt, der wirklich davon Ahnung hat – und das sieht man. Es gibt also oft genug Bedarf, wo man etwas besser machen könnte.

 

Das ist meine Motivation in meinem Beruf, weil es mich zugleich auch extrem wurmt. Ich denke dann ganz oft, das muss ich jetzt dem jetzt eigentlich dringend sagen. Am liebsten würde ich dann dort klingeln.

 

Teilweise hab ich das sogar schon gemacht. Zum Beispiel wenn ich im Restaurant sitze und mir die Speisekarte nicht gefiel, weil die Schrift einfach total unpassend ist, dann schnapp ich mir schon auch mal den Restaurant-Chef und sage ihm „Mensch, wie sieht das denn aus? Hast du nicht mal Lust oder Interesse, das schick machen zu lassen?“ Und dann brauche ich oft nur ein paar Sachen zu zeigen – also irgendwelche Fehler, die doof aussehen bei ihm in der Karte. Dann mache ich entsprechende Verbesserungsvorschläge und häufig bekomme ich die Leute dann dazu, mir den Auftrag zu geben, die Karte neu zu gestalten. Auf diese Weise habe ich mir auch schon einen kleinen Kundenkreis aufgebaut.

 

Mittlerweile hab ich auch viele Kontakte und Aufträge über Instagram bekommen. Da gibt es einen regelrechten Hype um Kalligraphie, mit der man zum Teil sogar richtig gutes Geld verdienen kann. Man hat mich zum Beispiel über Instagram schon angeschrieben und mir den Job angeboten, komplette Autos mit Kalligraphie zu verschönern. Für dieses Projekt hatte man deutschlandweit drei Künstler ausgewählt. Und ich war einer davon. Da hab ich natürlich sofort ja gesagt und war dabei. Es gab natürlich ein nettes Budget dafür, aber das was an Bewunderung hinterher dabei rum kam, ist mir fast noch mehr wert. Die Begeisterung der Leute motiviert mich total.

Mit welcher Persönlichkeit würdest du dich gerne mal zum Essengehen treffen und worüber würdet ihr sprechen?

Also es gibt bestimmt ein Dutzend Graffiti-Künstler, mit denen ich mich gerne mal zusammensetzen und mich über Graffiti und die Welt unterhalten wollen würde.

 

Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, würde ich mich am liebsten mit meinen beiden Dozenten von der Kunstschule noch mal treffen. Da gab es laut der Zeitschrift „Stern“ den besten Typographen Deutschlands an unserer Schule, der allerdings auch damals schon etwas älter war. Er hat auch immer viel über Symbolik gesprochen, was mich total gefesselt hat. Ich war bei seinen Vorträgen immer total konzentriert und fasziniert davon, was er für einen Horizont hatte. Der Mann hatte einfach eine extrem tolle Persönlichkeit. So einen Menschen gibt es eben nur einmal.

 

Und dann gibt es noch die Dozentin Frau Baudi, eine deutschlandweit anerkannte Kalligraphie Künstlerin. Sie hat schon mehrere Bücher raus gebracht, unterrichtete an verschiedenen Schulen und gibt trotz ihres fortgeschrittenen Alters auch heute immer noch Workshops über Kalligrafie.

 

Mit den beiden Menschen würde ich mich stundenlag über Typographie unterhalten können. Ich glaube darüber könnte man sich auch totquatschen. Ich glaube, ich bin da etwas „inselbegabt“. Ich kann mich auch stundenlag mit einem Freund von mir darüber unterhalten, wie geil wir zum Beispiel diesen Swoosh von Nike finden. Wie Nike es geschafft hat, dass dieser Swoosh mittlerweile alleine stehen kann und jeder weiß, dass es sich um Nike handelt, finde ich wahnsinnig faszinierend. Mit diesem Freund unterhalte ich mich eigentlich jedes Mal, wenn wir uns treffen, wirklich stundenlang über Buchstaben, Zeichen und Logos.

Gibt es einen prägenden Moment oder ein Erlebnis in deinem bisherigen Berufsleben?

Ja, das fing schon in der Kindheit an. Während meine ältere Schwester sich auf das Zeichnen von Pferden konzentriert hat, habe ich schnell gemerkt, dass ich keine Lust drauf hatte, Pferde zu malen. Ich hab mich dann mehr darauf konzentriert, die Schrift von der Zeitung Wendy oder von Lucky Luke Heften zu zeichnen. Und dann hab ich aus den Zeichnungen von meiner Schwester und ihren Freundinnen regelrecht Plakate draus gemacht. Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich mein Leben lang eher Buchstaben malen will, weil ich da einfach unheimlich Lust drauf habe.

 

Und dann hat ein Nachbar mich geprägt, der wie ein Gebrauchsgrafiker früher Kalligraphie gemacht hat. Er war auf Frakturen und auch auf Unzialen spezialisiert. Solche eher altdeutsche, freie geschwungene Schriften wie eine Unziale haben mich einfach total begeistert – bis heute. Dieser Nachbar ist mittlerweile 92 Jahre alt, ist früher in Deutschland herumgereist und hat zum Beispiel Gasthäuser mit ihrem Namen beschriftet. Als kleiner Junge war ich oft bei ihm und habe mit ihm zusammen gemalt. Auch da habe ich relativ schnell gemerkt, wie mich die Buchstaben fasziniert haben. Ich durfte sogar mit seinen Pinseln und Kalligraphie Werkzeugen herumexperimentieren. Das war wirklich ein sehr prägender Moment für mich. Später habe ich dann in der Schule einen entsprechenden Kalligraphie-Workshop besucht und noch mehr gelernt. Spätestens da war für mich klar, dass ich das zu meinem Beruf machen werde.

Gibt es etwas, worauf du stolz bist?

Zu den Anfängen meiner Graffiti-Karriere habe ich oft in einem Park in Hamburg Barmbek mein Unwesen getrieben. Es gab dort eine große Wandfläche, die ich mir mit meinen gleichgesinnten Jungs eingeheimst hatte. Es dauerte nicht lange, bis das Ganze Graffiti-Ding intensiver wurde und wir diese Wandfläche dann auch offiziell vom Pächter mit einer Genehmigung legalisiert hatten.

 

Ab diesem Zeitpunkt wurde dann Anfangs eher belustigender Weise der Park „Gecu Park“ genannt, später, wie sich herausstellte, aber auch bereits von den anliegenden Polizeiwachen schon so genannt, da der Park nie einen eigenen Namen trug. Es hieß stets: „Der Park da an der Hamburgerstraße, wo dieser Gecu immer rum malt.“

 

Mittlerweile haben selbst Straßenverzeichnisse wie Googlemaps oder auch Applekarten diesen Namen übernommen. Es gibt sogar teilweise Immobilienmakler die mit dem anliegenden Gecu Park ihre Objekte bewerben.

 

Das Zweite, worauf ich stolz bin, ist eine Dokumentation vom NDR, bei der ich dabei war. Es ging in dieser Dokumentation um die Linie U3 in Hamburg und um die Menschen, die an der U3 leben und arbeiten. Hier wurde ich bei der Gestaltung einer Wand mit meinen Graffitis bei einem Citroen Händler gefilmt und auch interviewt. Die Dokumentation läuft immer mal wieder im Fernsehen. Und ich freue mich jedes Mal erneut darüber.

Andere sagen über dich, du bist:

Heute eher introvertiert und ruhig. Früher war ich eher extrovertiert und laut, würde ich sagen. Wenn ich heute Kumpels von damals treffe, sagen sie immer: „Mensch bist du ruhig und gelassen geworden, so kennen wir dich ja gar nicht.“

 

Früher hatte ich den Spitznamen Radioactive Man, weil ich immer der letzte war, der noch Power hatte. Heute bin ich fast das Gegenteil. Introvertierter, empathischer, ruhiger und nachdenklicher. Ich hab zum Beispiel seit Jahren keinen Fernseher, bin unheimlich gerne alleine und kann stundenlang an die Decke starren und nachdenken, ohne dass mir langweilig ist. Und nein, ich bin keineswegs depressiv dabei. Ich bin wohl eher ein Träumer und ganz glücklich damit.